Implantate für das Ohr

Tubenstents zur Behandlung der chronischen Mittelohrentzündung

Schema Tubenstent

Insgesamt leidet etwa 1 % der Bevölkerung an Tuben­funktionsstörungen und damit einhergehend an Hör­minderungen, da die Be- und Entlüftung sowie die Rei­nigungsfähigkeit des Mittelohres eingeschränkt sind. Bereits Mitte des letzten Jahrhunderts wurden Poly­vinylchlorid-Röhrchen zur Weitung der Tube einge­setzt, die aber keine Verbesserung der Tubenfunktion er­reichten. Auch von der Insertion eines Golddrahtes in die Tube profitierten nur etwa 8 % der Probanden. Bei 26 % erforderten Komplikationen die Entfernung des Drah­tes. Analog zur perkutanen Intervention in Koronararterien wurde ein modifizierter PTCA-Katheter (Bielefeld-Katheter, Spiggle & Theis Medizintechnik, Deutschland) entwickelt, mit dem die Tube kurzzeitig erweitert werden kann (Abbildung). Im RESPONSE-Konsortium soll evaluiert werden, ob ein über den Katheter applizierter, degradierbarer Stent eine anhaltende Ver­bes­serung der Tubenfunktion unter Vermeidung intra- und postoperativer Komplikatio­nen ermöglichen kann.

Cochleaimplantate zur Behandlung der angeborenen und erworbenen Taubheit

Cochleaimplantat-Elektrode

Die Cochleaimplantat-Technologie ist heute das Stan­dardverfahren zur Behandlung taub gebore­ner Kinder bzw. im Verlauf des Lebens ertaubter Erwachsener. Die Indikation für immer ältere Patienten birgt großes Potenzial. Die klinischen Erfolge der Methode sind un­bestritten und stellen inzwischen ein Rou­tineverfahren dar. In Deutschland werden pro Jahr ca. 2000 Coch­leaimplantate eingesetzt. Im Rahmen der Cochleaimplantat-Operationen wird ein silikon­basierter Elektrodenträger in die Hörschnecke eingeführt, so dass bis zu 22 Elektro­den­kontakte eine Stimulation des Hörnervs ermöglichen (Abbildung). An der Schnittstelle zwischen dem Elektrodenträger und dem Hörnerv beeinträchtigt die Binde­gewebs­neubildung die Signalübertragung auf die Spiralganglienzellen (SGC) des Hör­nervs. Um diese Fibrose zu reduzieren, wurden ver­schiedene Oberflächen­modifikationen der Elektrodenträger entwickelt, die aber von einer klinischen Anwendung noch ent­fernt sind. RESPONSE soll deshalb bereits etablierte Ober­flächenmodifikationen hinsicht­lich ihrer Überführbarkeit in ein innovatives Produkt prüfen, um antifibrotisch wirkende Me­dikamente freizuset­zen und gleichzeitig die verbliebenen SGC durch wachstumsfördernde Modifika­tionen zu erhalten.